Magazin

Interviews

7 Fragen an

Sarah Kirschnick

Liebe Sarah,


in deiner Kunst verbindest du Malerei mit textilen Materialien, auf deinen Leinwänden winden sich Wollfäden, bis sie „Gestalt“ annehmen. Diese Verwendung von Wollfäden in deinem Werk bringt Bewegung ins Gemälde, synergiert mit der Malerei und fügt eine plastische Dimension hinzu. Du verwischst dabei die Gattungsgrenzen zwischen Collage, Malerei und Montage. Die Garnfäden bilden gleichsam den „roten Faden“ in deinem Werk.

Form, Farbgebung und die gesamte Gestaltung deiner Arbeiten, mit denen du auf Art Apart vertreten bist, vermitteln Lebensfreude und Humor, was durch die Titel noch „unterstrichen“ wird. Man möchte die Oberflächen berühren, die Bilder wirken, als hätten sie einen Puls. Sie sind abstrakt und wirken konkret und mitunter verspielt.


Dazu meine 1. Frage:
1. Textilkunst war bis ins 20. Jahrhundert hinein die einzige Kunstform, die Künstlerinnen an den Kunstakademien ausüben durften. Sie stand im Kontext mit typischer Frauenarbeit; im Dadaismus und Surrealismus haben Künstlerinnen wie Sophie Taeuber-Arp und Hannah Höch in ihrem Werk dieses Klischee auf humorvolle Weise dekonstruiert und damit gleichzeitig auf die Rolle der Frau in der Kunst angespielt. Spielst du in deinem Werk auch ein wenig darauf an? Siehst du heute auch noch Rollenklischees in der Kunst?
Nein ich spiele nicht auf die Rolle der Frau in der Kunst an. Meine Beschäftigung mit den Textilien ist eine rein Materielle.

Vor meinem Studium an der Kunstakademie habe ich eine Berufsausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin abgeschlossen. Nach jahrelangem rein malerisch orientiertem Studium habe ich das textile Material vermisst und folglich mit der Malerei kombiniert.

Rollenklischees sehe ich immer noch in der Kunst, aber nicht nur bezogen auf Künstlerinnen, sondern auch auf Künstler.


2. Deine Kunst ist.....?
Eine Reflektion und Rekapitulation von Gefühlen und Ereignissen und entsteht intuitiv.


Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Immer in Gedanken verloren, verpeilt, harmoniebedürftig. Ein Motto oder ein Mantra habe ich nicht.


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall? Was bedeutet deine Kunst für dich selbst?
Meine Arbeiten sind persönlich, da ich mich von meiner Intuition und meinen Empfindungen leiten lasse. Ich arbeite mit dem Werk zusammen, reagiere auf Beschaffenheit und Material.

Ich nutze gerne auch im Vorfeld schon beschädigtes Material und binde die beschädigten Flächen mit ein.


Was bedeutet deine Kunst für dich selbst?
Sie ist ein Kommunikationspartner. Ich nehme an, was das Werk oder das Material mir gibt, leite es in eine Richtung und schaue was es mir sagt. Wir stehen im Dialog zueinander und erzählen zusammen eine Geschichte.


5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

In der Pandemie-Situation machen mir Existenzängste in finanzieller Hinsicht extrem zu schaffen. Manchmal fällt es mir schwer mich selbst zu motivieren und die neu dazu gewonnene Zeit kreativ zu nutzen. Das Leben vor der Pandemie hat einem viele Eindrücke gegeben. Man hat Inspiration aus dem sozialen Miteinander gezogen oder einfachem unbeschwertem umherschlendern. Man hat jetzt andere Mittel und Wege gefunden sich inspirieren zu lassen und kann die Zeit zum Experimentieren nutzen. Dadurch können ganz neue und für die Zukunft wegweisende Werke entstehen.

Jeder Künstler, jede Künstlerin wird diese Zeit in seiner Kunst verarbeiten, so oder so. Bei mir wird es wahrscheinlich kein offensichtlicher Weg der Verarbeitung sein, es wird eher subtil zum Ausdruck gebracht werden. Ich denke da spontan an noch konstruiertere bzw. strukturiertere Arbeiten, da mir im allgemeinen die Struktur meines Lebens vor der Pandemie fehlt.


6. Welche Frage bewegt dich gerade?
Kann eine Gesellschaft ohne Kunst und Kultur funktionieren?

(Im Kontext mit dem ständig präsenten Begriff der Systemrelevanz.)


7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Ist Kunst systemrelevant? Welche Meinung habt Ihr dazu?

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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