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Interviews

7 Fragen an

Orpheo Winter

Lieber Orpheo,

in deiner Kunst beschäftigst du dich mit Zeichnung, Installation, Video, Skulptur – also mit ganz unterschiedlichen klassischen und modernen Gattungen und (Medien-)Techniken, mit denen sich entsprechend auch unterschiedlichste Themen zwei- oder dreidimensional oder sogar bewegt darstellen lassen.

Wenn man deine Arbeiten auf deiner Website betrachtet, denkt man vielleicht an Marcel Duchamps Ready-Mades, die du in deinem skulpturalen Werk unter dem Thema „Äquilibristik“ zu zitieren scheinst. Bei deiner Videoarbeit „Paradiddle“ fühlte ich mich an meine Steptanzerfahrungen erinnert, das Video als Medium zur Darstellung von Audiovisualität und Bewegung evoziert bei mir also Vorstellungen von Performance-Kunst. (Und weil mir Paradiddles sehr gefallen, erheitert mich der Anblick.)

Dein Werk ist so vielseitig, dass ich hier nur auf einige Beispiele eingehen kann, eine weitere Arbeit, die mich besonders fasziniert, ist die Installation „flashback“, die nicht nur eine Zeit(geist-)aufnahme der jüngeren Gesellschaftsgeschichte ist, sondern auch Metaebenen bedient, die sich bereits in der Titelauswahl andeuten. Vielschichtig und vielseitig ist deine Kunst, und so bist du bei Art Apart auch gleich in drei Kategorien vertreten, nämlich mit Zeichnung, Grafik (Siebdruck) und Malerei.

Die Zeichnungen im A4-Format haben für mich die Authentizität von „Studien mit Tiefgang“ – sie lassen deinen Betrachter:innen viel Raum für Interpretation. Das gilt auch für den Siebdruck in Einzelauflage mit dem Titel „you and shock“, wo sich Sujets aus deinen Zeichnungen wiederfinden lassen, und für die großformatige Acrylmalerei „Trommelnde Pferde“. Durch Titel und Sujet weckt diese letztgenannte Arbeit auch wieder audiovisuelle und performative Assoziationen und das gelingt, wie ich finde, auf sehr humorvolle Weise.

Dazu meine 1. (mehrteilige) Frage:
1. Du bist künstlerisch in fast allen Gattungen und zahlreichen Techniken „zuhause“ – hast du eine Lieblingsgattung oder -technik?

Oder geht es dir eher um die Verbindung aller Gattungen/Techniken, und vielleicht auch um die Darstellung des künstlerischen Prozesses in der Wahrnehmung deiner Rezipient:innen? Ich meine das im Sinne von Kunst als Kommunikation zwischen Künstler:in und Publikum.

Ist deine Vielseitigkeit ein Hinweis auf die Künstlichkeit von Gattungsgrenzen, die du ja quasi sprengst bzw. verbindest, wenn du Bewegtes in „unbewegter“ Malerei festhältst wie in einigen deiner Zeichnungen und in der Malerei „Trommelnde Pferde“, oder wenn du in einer Installation wie „flashback“ Zeitlichkeit darstellst, die auch durch die Bewegung der Besucher:innen im Raum mit entsteht, aber nicht sichtbarer Teil davon sein kann?

Ich finde deine Interpretation meiner Arbeit total interessant! Um auf deine Frage zu antworten: Ich würde nicht von einer Lieblingstechnik sprechen, nein. Aber ja, es geht mir auch um das Zeigen des künstlerischen Arbeitsprozesses, also darum sichtbar zu machen, wie die Arbeiten entstehen, aus welchen Teilen sie gemacht sind.

Die Grenzen, die du in deiner Frage ansprichst, sind nicht so wichtig für mich. Die amerikanische Theoretikerin Rosalind Krauss hat das Konzept der „post-medium-condition“ ganz gut beschrieben. In dieser „Condition“ befinden wir uns als Kunstschaffende noch immer denke ich. Oder nicht? Sind die Gattungen zurück? Könnte sein. Aber wie?

Nochmal: Ich denke du hast insofern recht mit deiner Darstellung meiner Arbeit, als dass die Verschiedenheit meiner Arbeiten eine Rolle spielt. Diese „Verschiedenheit“ ist ein ästhetisches Konzept. Man soll meine Arbeiten im Grunde nebeneinander betrachten, sie im Zusammenhang sehen. So ist es gemeint.

Meine Arbeitsweise wird auch stark von einem Do-it-Yourself-Anspruch getragen. Mir ist es wichtig, bei jeder Arbeit die ich mache, selbst etwas zu lernen, oder herauszufinden. Oft scheitere ich mit meinen Vorhaben und muss von neuem beginnen. Diesen Lernprozess auszustellen kann reizvoll sein. Aber auch Scheitern ist durchaus charmant finde ich. Solange man es mit Stil tut. Vielleicht meinst du das mit dem Humor.

2. Deine Kunst ist.....?
Hoffentlich gut.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:

Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra? Was hätte Mark E. Smith getan?

Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

Ich bin freischaffender Künstler. Niemand beauftragt mich. Wie könnte da eine unpersönliche Arbeit entstehen? Es geht letztlich immer um meine (ästhetischen) Interessen. Die Frage ist: Wie entstehen diese Interessen? Ich lebe nunmal in einer Gesellschaft, zu der ich mich bewusst oder unbewusst, ablehnend oder anerkennend verhalten muss. Was ich sagen will, ist, meine persönlichen Interessen sind am Ende gar nicht so persönlich. Sie sind das Ergebnis meines Verhältnisses zur Welt und der Notwendigkeit mich zu ihr zu verhalten. Wobei die Betonung auf verhalten liegt.

In meiner Arbeit möchte ich mir die Welt anverwandeln. So ähnlich wie Menschen die Häuser bauen, um in ihr klar zu kommen, oder um ihr etwas entgegen zu setzen. Sie kann ja als eher unmenschlich empfunden werden, als bedrohlich sogar. Meine Arbeit ist also mein „Boll-Werk".

Allerdings geht es nicht um mich als Privatperson. Meine Arbeit folgt ihren eigenen Regeln die durchaus mit meinen persönlichen Wünschen in Konflikt stehen können. Ich bin sozusagen nicht „eins“ mit meiner Arbeit. Es ist kompliziert.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Die pandemiebedingten Sicherheitsmaßnahmen haben es schwierig gemacht Ausstellungen zu organisieren. Das beeinträchtigt mich schon. Vieles findet jetzt online statt und das hat meine Perspektive verändert. Ich möchte aber nach wie vor physische Ausstellungen sehen und auch machen.

Ausserdem denke ich seit Beginn der Pandemie mehr über Ausstellungen im Außenraum oder auch im sog. „öffentlichen Raum“ nach. Den finde ich im Augenblick sehr spannend und ich frage mich wo er anfängt und wo er aufhört. Auch haben soziale Medien den Begriff von Ausstellungen ziemlich ausgedehnt. Hier können Ausstellungen ja auch problemlos in einer Kaffeetasse stattfinden. Ausstellungen sind ziemlich „scalable“ geworden.

6. Welche Frage bewegt dich gerade?
Was die Zukunft wohl bringt?

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Wie geht’s?

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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