Magazin

Interviews

7 Fragen an

Max Pimpernelli

Lieber Max,


du hast vermutlich schon öfter gehört, dass der Stil deiner Malerei an die „Neuen Wilden“ erinnert, die in den 1980ern die Kunstwelt provozierten. Seinerzeit handelte es sich nach bzw. neben Appropriation Art, Aktionskunst und Medienkunst um eine Wiederentdeckung des klassischen Mediums Pinsel und (Öl-)Farbe auf Leinwand. Damit haben diese Künstler ein Ventil gefunden, den Punk-Zeitgeist und die No Future-Einstellung der 80er Jahre auszudrücken.

Wenn auch dein Stil mich nun an die Neuen Wilden denken lässt, assoziiere ich deine Sujets aber weniger mit Punk und den Exzessen der Neuen Wilden, sondern mit Hip Hop und den „neuen“ Exzessen der 10er Jahre – die gibt es ja vermutlich auch...

Deine Motive wirken auf mich humorvoll-kontemplativ und herausfordernd rätselhaft.

Mit deiner unkonventionellen Art der Komposition und Farbwahl für deine gegenständliche Malerei und mit deinen teilweise surreal anmutenden Bildgegenständen, die an Fantasy-Stories, Comics oder intensive Träume (vielleicht auch von Fantasy oder Comics...) erinnern, verbindest du surrealistische oder fantastische und aktuelle Inhalte und Themen, die „die Welt bewegen“, mit einem „ungezähmten“ gegenständlichen „Anti-Malerei“-Stil und erzeugst damit eine ganze eigene spannende Ausdrucksform. Du erfasst Themen aus dem alltäglichen Leben, die uns unmittelbar betreffen oder auch medial vermittelt wurden, und du gibst ihnen Kontur und Farbe. Der schwitzende Schneemann in „Ein neuer Winter“ könnte beispielsweise auch als Referenz für den heiß diskutierten Klimawandel gedeutet werden. Dennoch wirkt deine Kunst nicht ermahnend und belehrend, auch nicht oberflächlich witzig, sondern intelligent und lebensnah, lebensfroh und lustig, denn sie erfasst den Zeitgeist und bleibt genau deshalb auch zeitlos und aufregend.


Dazu meine 1. Frage:
1. In diesen Zeiten, wo Lebensfreude beinahe zur Herausforderung wird, produzierst und zeigst du deine bunten, bewegten und spannenden Arbeiten, die „Spaß vermitteln“ soll – so lautete der Titel zur Ausstellung im Jungen Museum in Bottrop., an der du als Teil des Duos der „Brüder Pimpernelli“ 2017 teilgenommen hast. Ist das (d)eine Form von Widerstand? Oder ein Aufruf zur „Entspannung“? Oder beides, quasi als popkulturell überformte ambivalente Aussage, die jede:r selber auf Wunsch entdecken darf in deinen Arbeiten?
Ist es mittlerweile bereits notwendig, Spaß zu „vermitteln“ wie zuvor eher schwer zugängliche gesellschaftliche Themen, weil der Spaß vielen von uns ähnlich schwer erreichbar geworden ist wie der Zugang zu Kunst allgemein? (Wie) kann (deine) Kunst uns mit unserer eigenen Lebensfreude in Kontakt bringen bzw. dort halten?

Hallo Tatjana, vielen Dank für deine Einleitung. Wie du richtig beschrieben hast, habe ich mich an der Malerei der 80er abgearbeitet. Wichtig ist mir hierbei jedoch die Malerei als Medium ernst zu nehmen. Sie darf bei mir witzig gemeint sein. Ist aber in jedem Fall mehr als nur bloße Pointengeberin. Auch der Punk hat sich geändert. No-Future wirkt heute sehr breitbeinig als Motto und ist wohl wenig zeitgemäß angesichts der von dir oben angesprochenen Klimakatastrophe. Die meisten Punks, die ich kenne, leben eh mittlerweile vegan und trinken nur noch am Wochenende Hansa. Da wäre es vielleicht Zeit das Motto mal zu präzisieren.

Denn eine gewisse „Antihaltung“ ist wohl nötig, wenn wir uns nicht alle in 10 Jahren im grünen Finanzsektor wiederfinden wollen.

Achso, zu deiner Frage: „Kommse nach Bottrop, kriegse auffen Kopp dropp!“


Deine Kunst wirkt auch „verspielt“ – das lässt an Wittgensteins Gedanken zum Spiel denken, das auf seine Weise quasi allumfassend zu Forschung und durch Forschung zu Erkenntnis führen kann...
Die Welt ist alles was der Fall ist! Das ist lustig!
Hat der nicht mal ne Türklinke entworfen?


2. Deine Kunst ist.....?
Ein blinder Fleck für mich. Die beste Methode ist da sich Wörter in den Mund legen zu lassen und dann umzudrehen. „Halt! So nicht, da geht’s lang!“. Wohin ist nicht ganz klar und wenn ich das wüsste, würde ich es vielleicht auch ich tun… Hört sich das nicht schön romantisch an?


Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?

Duchamp, Duchamp, Duchamp jeden morgen dreimal in den Spiegel. Eines Tages steht er da und fordert mich zu einer Partie Schach heraus. Nachdem ich ihn mit schwarz und weiß geschlagen habe, stelle ich ihm weinend die Frage, warum er DAS mit der Kunst machen musste.


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

Kunst hat sich seit der Mitte des 20ten Jahrhunderts immer mehr Richtung Alltag bewegt. Persönliche und künstlerische Fragestellungen haben sich fast vollkommen angeglichen. Außerdem gibt es eine zunehmende Ästhetisierung des Alltags, der Werbung und der Politik.

Als Künstler*in muss man dort Grenzen ziehen, seine eigenen Kriterien entwickeln, die Klarheit schaffen, aber nicht zurück zu einem klassischen Werkbegriff flüchten wollen.


5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Ich tue gewagte Dinge mit einer Heißklebepistole. Mehr kann ich gerade nicht verraten.


6. Welche Frage bewegt dich gerade?
Wie baut man ein Briefkastenschloss ein?

Wie lässt sich Gesellschaftskritik und aktive Teilhabe am besten vereinen?


7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Wie baut man ein Briefkastenschloss ein?

Wie lässt sich Gesellschaftskritik und aktive Teilhabe am besten vereinen?

Wie findet ihr das alles hier?

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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