Magazin

Interviews

7 Fragen an

Krystyna Fitz-Harris

Liebe Krystyna,


in deiner Kunst beschäftigst du dich sowohl mit in den Raum eingreifende Kunst in Form von performativen Installationen als auch mit Malerei.

Auf Art Apart bist du mit großformatigen aktuellen Ölmalereien vertreten, die durch die angewendete Lasurtechnik – damit meine ich den schichtweisen Farbauftrag – und durch die Farbgebung selbst vielschichtig in jeder Hinsicht wirken, auch transparent, bewegt und märchenhaft oder rätselhaft poetisch.

Deine Arbeiten strahlen einerseits eine gewisse Schwerelosigkeit aus. Andererseits kommt es mir vor, als würden im Zusammenspiel von Hell und Dunkel, konkret und abstrakt, Licht und Schatten die konkreten Anteile (sofern vorhanden) deine Arbeiten in einer vertrauteren Realität „erden“. So erzeugst du in deiner Kunst ein Spannungsfeld zwischen Anknüpfungspunkten im Hier und Jetzt und der ätherisch wirkenden scheinbar zeitlosen Leichtigkeit.

Die Titel deiner Arbeiten wie „New World“, „Outside“, „Complicated“ scheinen auf die Durchdringung und Wechselwirkung zwischen äußeren Einflüssen und inneren Gemütszuständen und Gefühle zu verweisen. Zwar ist es deine persönliche Gefühlswelt , die du malerisch ausdrückst, aber für mein Empfinden enthalten deine Arbeiten großes Identifikationspotenzial für die Rezipient:innen. Wenn ich deine Arbeiten betrachte, kommt es mir vor, als fingst du quasi eine Art Essenz kollektiver menschlicher Gefühle malerisch ein.

Die großen Formate, deren Wirkung in der Simulation am Rechner nicht erfahrbar sind – entfalten bei der Betrachtung im Atelier eine träumerisch-mystische Atmosphäre, die die Betrachter:innen, die sich einlassen wollen, „mitziehen“ kann in eine Art Grenzrealität, eine nebelhafte Welt, die sich wie eine Traumsequenz oder ein Gedankenprozess entwickelt, je länger man sich damit beschäftigt.

Dazu meine 1. Frage:
1. Die Selbstreflexion in deiner Arbeit, um die es dir geht, und die Empathie erzeugen soll, ist eine Form von innerer Klarheit. Eine Immersion in Gefühlswelten ist potenziell überwältigend und das Gegenteil davon. In deiner Arbeit vereinst du beides – wie funktioniert diese Verbindung solcher Gegensätze in deiner Kunst?

Mein Kommentar auf Art Apart, auf dem deine Frage basiert, ist bereits ein Jahr alt. Heute würde ich mich sicherlich anders ausdrücken. Aber ich denke, Kunst kann auch die Aufgabe haben, Gegensätze zu vereinen.

Ich war vor der Pandemie eher verkopft in meiner Arbeit, habe im Voraus geplant, wie ein Bild am Ende aussehen soll. Im letzten Jahr habe ich dann angefangen, intuitiv zu arbeiten, einfach zu malen, ohne vorher großartig darüber nachzudenken. Meine Arbeiten sind wie eine Traumgedankenwelt, die ich intuitiv auf die Leinwand gebracht habe.

Ich verarbeite mein Innenleben, meine Art von „Realität“ – meine Kunst ist meine Art, meine Gedanken zu verarbeiten, das Innere und das Außen zu verbinden.


Bist du in deiner Arbeit abstrakter geworden?
Ja, definitiv! Die figurativen Malereien waren im Gegensatz zu den neuen abstrakten Arbeiten konzeptuell ausgerichtet. In meinem Leben habe ich generell viele Sachen verändert – man ist eben immer im Prozess.


2. Deine Kunst ist.....?
...meine Realität. Sie ist meine Art, die Dinge zu sehen und zu verarbeiten; sie ist mein innerer Filter, um Dinge besser (be-)greifen zu können.


Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?

Hm... ich erzähle einfach mal und du schreibst Stichworte auf, ok?

Ich finde es spannend, mich in Grauzonen aufzuhalten, finde diese generell interessant.

Gut, dann bist du in Bezug auf Gefühle eine Art „Grauzonenfan“ .
Ich finde die Ambivalenz zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung faszinierend, auch in Bezug auf meine Kunst und die Wahrnehmung der Betrachter:innen

Ein Motto oder ein Mantra habe ich nicht, aber eine Ansicht, die ich mitteilen möchte: ich finde Diversität sehr wichtig, ob es nun um Menschen geht oder um die Natur. Menschen sind Teil der Natur und sollten realisieren, wie wichtig Vielfalt ist in Kultur und Natur. Je mehr Artenvielfalt in der Natur, desto besser ist es auch für die Menschen. Je vielfältiger und diverser eine Gesellschaft ist, desto mehr Entfaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es, desto interessanter ist das Zusammenleben.


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

In meiner Kunst verarbeite ich persönliche Themen, beispielsweise die Umwelt und der Klimawandel. Während der Pandemie habe ich mich mit Themen wie Einsamkeit beschäftigt und mit meiner Art der Wahrnehmung davon – wie in einem Prozess: wie gut kann ich allein sein? Was bedeutet alleine sein für mich?

Meine Kunst ist für mich eine Art Ventil, ich habe das Gefühl, dass ich dadurch loslassen kann, dass ich Gedanken einfangen kann.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Dazu passen auch meine Antworten zu Frage 1 und 4 – ich beschäftige mich in meiner Kunst nicht mit der Pandemie selbst, aber damit, wie sich mein Alltag dadurch verändert hat, wie meine Lebensumstände sich gewandelt haben. Dabei entstehen neue Fragen, zum Bespiel „wie hat mich die Pandemie verändert? Welche Situation hat sich geändert? Das ist der Einfluss, den die Pandemie-Situation auf mich und meine Arbeit hat.

Ich bin selber gespannt, wie sich meine Kunst weiterentwickelt!


6. Welche Frage bewegt dich gerade?
Ich beschäftige mich gerade sehr mit Wahrnehmung, mit Bewusstsein und Selbst Bewusstsein, mit der Art und Weise, was ich denke und was andere denken. Ich finde es unglaublich spannend, dass andere die Welt vielleicht ganz anders sehen. Und dennoch findet Kommunikation statt, gerade durch die Kunst. Kunst ist meine Art von Sprache, ich arbeite mit Ausdruck, Farben und Formen. Meine Bilder lassen den Betrachter:innen viel Offenheit und Raum für eigene Interpretation. Mich fasziniert, was andere Menschen in meiner Kunst sehen. Das bewegt mich.

Sicherlich hat mein Soziologie-Studium dazu beigetragen, dass ich darüber, wie mein Publikum meine Kunst wahrnimmt und versteht, wiederum mein Publikum „analysiere“ und verstehe.

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Wenn ich die Chance bekomme, Euch kennenzulernen, werden sich bestimmt Fragen ergeben!

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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