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Interviews

7 Fragen an

Kathrin Edwards

Liebe Kathrin,


Deine Hauptmedien sind Druckgrafik und Objekte bzw. Skulptur, daneben machst du auch Tuschemalerei auf Papier.

Deine Druckgrafiken erinnern mich durch ihre elegante Formensprache und durch die Auswahl des Sujets, des weiblichen Akts in der Natur, ein wenig an Jugendstilgrafiken.

Attraktive junge Frauen, gerne als Halb- oder Vollakt und oft überschlank, mit stilisierter, geschönter Physis dargestellt, waren ein beliebtes Motiv der zumeist männlichen Jugendstil-Künstler. Die Darstellungen wurden oftmals heftig kritisiert und mitunter gar als pornografisch kategorisiert.

Bei den Jugendstil-Künstlern ist der Akt meist von vorne zu sehen, vis-a-vis zu den Betrachter:innen, während die Betrachter:innen in deinen Arbeiten den Akt meist von hinten beobachten. Deine Akt-Darstellungen wirken auch nicht stilisiert, sondern realistisch und „natürlich“.

Die von dir gewählte Perspektive erzeugt in deinen Arbeiten ein Spannungsfeld aus Distanz und Intimität. Die Badende oder die Nackte im Wald wähnt sich völlig frei und unbeobachtet, doch der Schein trügt....

Die Atmosphäre in deinen Werken ist erotisch aufgeladen, sinnlich, geheimnisvoll, aber mitunter auch berunruhigend, wie beispielsweise in den Arbeiten „Into Darkness“ I und II, die eine einsame Badende bei Nacht zeigen.

Der Jugendstil Europas war nachweislich durch die Kunst der japanischen Holzschnitte inspiriert, und so erinnert mich auch die Ästhetik der Hintergrundlandschaft in deiner Radierung mit dem Titel „cascade II“, die zwei weiblichen Akte vor einem Wasserfall darstellt, an Werke von Hokusai. In deiner Arbeit werden Dynamik und Eleganz des Wasserfalls aufgenommen und reflektiert in den Posen der beiden Akte, die wie Tänzerinnen bei einer Performance wirken.

Die Rezipient:innen werden beim Betrachten dieser Arbeiten quasi zu Voyeur:innen. Sie können zwar nicht ins Geschehen eingreifen, aber sie gestalten durch ihre Beobachterrolle die Atmosphäre der Szenerie mit und ergänzen in ihrer Vorstellung das Narrativ– wie schon Wolfang Kemp feststellte: „der Betrachter ist im Bild“. So werden die Betrachter:innen gewissermaßen Teil des Werks.

In deinen monochromen Prägedruck-Arbeiten thematisierst du florale Naturformen. Sie wirken wie Blüten, Blätter und Samenstände und erscheinen wie vergrößerte Teilansichten aus den Druckgrafiken mit den weiblichen Akten in der Natur, die mit vielfältigen Formen Bewegung ins Bild bringt. Deine Prägedruck-Arbeiten wirken auf mich wie Spuren botanischer Proben, festgehalten für die Ewigkeit.

Dazu meine 1. Frage:
Es gibt den Begriff des „männlichen Blickes“ in der Bildenden Kunst und im Film. Dahinter steht die Idee, dass männliche Künstler beim Erschaffen ihrer Werke dem weiblichen Sujet oder dargestellten Subjekt gegenüber eine voyeuristische Perspektive einnehmen, die ein Machtgefälle zu ihren Gunsten reflektiert und das weibliche Subjekt objektifiziert. Du als Künstler:in widmest dich nun selber dem weiblichen Akt und machst dein Publikum durch die gewählte Bildperspektive zu Beobachter:innen – verweist du damit auf einen allgemeinen „menschlichen“ Blick, mit dem alle Rezipient:innen deine Arbeit wahrnehmen? Auf einen Blick, der nicht nur aus einer sicheren (Macht-)Position beobachtet, sondern der auch Anteilnahme enthalten kann am beobachteten „Subjekt“, das hier ja auch künstlerisch betrachtet zum Objekt geworden ist? Oder verfolgst du auch einen feministischen Ansatz?

Ist es eine Perspektive, die uns Menschen in unserer Rolle als Betrachter:innen bzw. Beobachter:innen alle eint, und über die wir gemeinsam reflektieren sollten?

Geht es auch darum zu zeigen, dass Menschen untrennbar Teil der Natur sind und dass das Arbeiten mit Naturmotiven schon deshalb einfach zeitlos, also immer aktuell ist?
In allen meinen Arbeiten, von den Druckgrafiken bis hin zu den Objekten, beschäftige ich mich mit dem Thema der Beziehung zwischen Mensch und Natur und untersuche unterschiedliche Aspekte dieser Verbindung. Dazu gehört besonders in den Druckgrafiken und Malereien auch die natürliche Darstellung des Körpers: ohne Stilisierung, ohne Kleidung. Besonders Letzteres würde eine menschengemachte Komponente in die Motive bringen und auch eine Zeitlichkeit (Tunica oder moderne Kleidung) die ich nicht haben will. Es würde vom eigentlichen Thema der Arbeiten ablenken.

Die Perspektive der BetrachterInnen lässt sich vielleicht wirklich am Besten mit dem „menschlichen“ Blick beschreiben. Ich will eine selbstbewusste weibliche Figur mit natürlichen Kurven darstellen, die Schönheit des natürlichen Körpers ohne Stilisierung und die daraus resultierende Objektifizierung. Auch möchte ich dadurch das Machtgefälle eher umkehren. Die RezipientInnen, egal ob weiblich oder männlich, in einer rein beobachtenden Rolle, ohne die Möglichkeit einzugreifen. Die Macht liegt bei der Dargestellten, die es nicht kümmert, dass oder ob sie beobachtet wird, oder die sich selbstbewusst präsentiert.


2. Deine Kunst ist.....?
…meine Interpretation von Natur.


Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:

Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Ein Motto oder Mantra habe ich nicht. Beschreiben würde ich mich als manchmal ein bisschen verpeilt und in meiner eigenen Welt. Aber auch zielstrebig und organisiert (meistens). Und häufig ein bisschen obsessiv. Wenn man mich anfangen lässt über Druckgrafik oder Papier erzählen zu lassen, sollte man Zeit mitbringen!


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

Ich versuche in meinen Arbeiten Antworten zu finden, oder besser mich Antworten zu Fragen oder Themen die mich selbst beschäftigen zu nähern. Ich erforsche in meinen Werken diese Themen. Das heißt aber nicht nur Themen wie Natur, Mensch oder Darstellung der Frau sondern auch einen Materialfetisch ausleben zu können. Mich z.B. mit unterschiedlichen Papieren zu beschäftigen, die unterschiedlichen Möglichkeiten mit ihnen zu arbeiten und wie es Auswirkungen auf den späteren Eindruck der Arbeit hat.


5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Durch das Wegfallen von Ausstellungen und der dazu gehörigen Vorbereitungen wurde plötzlich viel Zeit frei. Wie viele andere KünstlerkollegInnen habe ich diese Zeit genutzt um mit neuen Techniken und Materialien zu experimentieren. Dabei sind zum Beispiel die Prägedrucke entstanden, in der Druckgrafik haben sich die „waves“ enorm weiterentwickelt, da ich mit neuem Papier für die Chine Collé experimentieren konnte und gerade sind die ersten Objekte mit neuen Materialien fertig geworden. Diese neuen Arbeiten jetzt aber nur im Regal stehen zu haben und sie nicht einem breiten Publikum bei einer Eröffnung, mit vielen guten Gesprächen, präsentieren zu können ist schwierig. Der Austausch fehlt.

Von dem her, auch wenn ich nicht das Thema der Pandemie in meinen Werken bearbeite zeigt es sich indirekt. Für die Zukunft nach der Pandemie werde ich auch versuchen mir etwas aus dieser Zeit mitzunehmen: mir Zeit für Experimente nehmen. Häufig genug landen neue Ideen in meinem Notizbuch und werden erst Monate später oder gar nicht mehr aufgegriffen. Aber besonders an Experimenten lernt man am meisten und entwickelt sich am meisten weiter. Das würde ich mir gerne erhalten.


6. Welche Frage bewegt dich gerade?Vieles Verschiedenes, auf eine Sache zu reduzieren ist da schwer. Ich habe momentan mehrere angefangene Arbeiten, teilweise Experimente. Gleichzeitig sieht das Atelier gerade aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, da ich unbedingt etwas fertig machen wollte und mich währenddessen um nichts anderes gekümmert habe. Ich habe einige neue Ideen die im oben erwähnten Notizbuch stehen, aber ich sollte vermutlich erstmal die Angefangenen fertig machen. Die möchte ich auch unbedingt fertig sehen, aber die neuen Ideen reizen einfach sehr. Und aufräumen muss ich sowieso vor allem anderen. Von dem her die Frage die mich am meisten beschäftigt ist wohl: Werde ich es wirklich schaffen mir genügend Zeit für Experimente zu nehmen, wenn es wieder anfängt hektischer zu werden, wenn ich gerade schonwieder nicht weiß mit was ich als erstes loslegen soll?


7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Eine Frage habe ich nicht wirklich, eher: Ich freue mich, hoffentlich bald, wieder einen persönlichen, direkten Austausch zu haben.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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