Magazin

Interviews

7 Fragen an

Johanna Clara Becker

Liebe Johanna Clara,


Dein Medium ist die Malerei bzw. Grafik, dein bevorzugtes Sujet der Mensch in all seinen Facetten. Auf deinen Gemälden sieht man quasi die Essenz des Menschen, das Innere und das Äußere überlagern und vermischen sich... so ist es im Grunde ja auch im „richtigen Leben“, durch das mensch sich gedankenvoll oder gedankenverloren bewegt und Emotionen und Gefühlen nachhängt. Wir Menschen sind geprägt durch unser Fühlen, unser Denken und unser Handeln, dies alles prägt sich auch wiederum gegenseitig – u.a. damit erschaffen wir uns unsere (kollektive) Realität.

Die kräftigen Farben, der bewegte, „performativ“ wirkende Duktus erinnern mich ein wenig an dynamische Streetart, Jean-Michel Basquiat, aber auch an die Malerei der Neuen Wilden aus den 1980ern und sogar ein wenig an Georg Baselitz. Lauter Männer, außer bei der Streetart vielleicht, wo auch (unbekannte) Frauen mittun – entweder ist das Zufall oder man sieht diesen expressiven Stil bisher einfach noch seltener bei Künstlerinnen.

Du arbeitest auch mit Schrift oder Wortfetzen, und im Kontext mit deinen dynamischen Kompositionen erhalten diese zweidimensionalen Buchstaben einen Anteil am Ausdruck des Gesamtwerks. Sind es gemalte Gedanken, handelt es sich um Referenzen aufs Innere des Menschen - oder sind es Textfragmente, die von außen auf das (Bild-)Geschehen einwirken? Jedenfalls ergänzen und vervollständigen sie deine Kunst, und Kunst ist ohnehin meiner Meinung nach ein offenes Kommunikationsmittel.

Der Ausdruck deiner Arbeiten bleibt so immer vieldeutig, verleiht den Arbeiten aber dennoch eine gewisse Unmittelbarkeit und innere Nähe. Damit wirkt diese Welt deiner Motive vertraut auf uns als Rezipient:innen. Beim Betrachten werden wir dabei auf uns selbst, auf uns in unserer Umwelt und als Teil davon, auf uns in unserem Alltag zurückgeworfen.

Dazu meine 1. Frage:
1. Deine Bilder wirken wie gemalte Gefühle, sie kommunizieren „ohne Worte mit Worten“, weil du auch mit Textfragmenten arbeitest. In deiner Malerei kehrst du das Innerste des Menschen nach außen. Halbierte Körper, aufgerissene Augen und Münder suggerieren hochdramatische emotionale Szenen. Groteske, in ihrer Übertreibung humorvoll-ironisiert wirkende Mimik und Körpergesten scheinen den inneren und äußeren Aufruhr des Menschen im 21. Jahrhundert zu symbolisieren – oder sie verweisen auf den inneren und äußeren Aufruhr, verursacht und erhalten durch den permanenten, bewussten und unbewussten Austausch mit den Mitmenschen, durch die ständige (emotionale) Bewegung innerhalb des menschlichen Selbst und seiner Umwelt.

Zeigt deine Kunst auch, dass das menschliche Individuum ein (Zufalls-)Produkt von Interaktion und Kommunikation mit seiner Umwelt ist? Dass Individualität nicht im Alleingang möglich ist, sondern man als Mensch erst „durch viele Menschen hindurch gegangen sein muss, um zum wahren Ich zu finden“? Oder dass das „wahre Ich“ als solches gar nicht existiert, weil es vielmehr ein Aspekt eines Prozesses ist, in dem man sich als Mensch immer wieder neu erschafft oder weiterentwickelt?
Deine Worte beschreiben es sehr treffend. Was ist der Mensch und weshalb hat er oftmals eine Fassade nötig um sich in der heutigen Gesellschaft zu behaupten oder überhaupt zurecht zu finden. Oftmals frage ich mich, wie häufig wir eigentlich wirklich dem Menschen begegnet sind, dem wir gegenüber stehen. Ist er in diesem Moment wirklich er selbst oder doch wieder nur eine angepasste Version seiner Vorstellungen, die er erfüllen möchte?

Jeder ist Mensch und doch decken und schützen wir uns vor den anderen Menschen. Der Betrachter soll sich seine eigenen Gedanken formen und den Mut haben diese denken zu dürfen. Ich habe kein Interesse daran, den Menschen mit meiner Kunst in eine Richtung zu drängen, das tut er schon ganz von alleine. Ebenso ich. Meine Bilder sollen dazu einladen sich frei zu fühlen, ohne vorgefertigte Worte von mir, die eine Interpretation vorgeben.


2. Deine Kunst ist.....?
Ansichtssache.


Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Egal was ich mache, ich versuche dabei nie aus den Augen zu verlieren, dass ich letztlich nur glücklich und zufrieden sein will.


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

Bin ich wirklich Ich? Und lebe ich dieses Ich in vollen Zügen, ohne Einschränkungen und Angst?

Meine Bilder lassen mich atmen. Hier kann ich alle Hüllen fallen lassen und offen mit allem umgehen.


5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Zu Anfang habe ich die derzeitige Situation mit einbezogen. Jedoch merke ich immer stärker, dass die Pandemie mir Zeit zum Nachdenken geschenkt hat. Ein Nachdenken, mit dem ich ehrlich umgehe, ohne die Malerei und Zeichnung zu nutzen. Ich fange an mich der Kunst neu und auf eine ganz andere Art und Weise zu nähern – Was dabei heraus kommt weiß auch ich noch nicht.


6. Welche Frage bewegt dich gerade
Was brauche ich wirklich?


7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Ich habe keine wirklichen Fragen, dafür müsste ich mein Publikum sehen.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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