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Interviews

7 Fragen an

Anne-Clara Stahl

Liebe Anne-Clara,

du beschäftigst dich in deiner Kunst mit Malerei, bist aber auch sehr fasziniert von Schrift und deren Wirkung und Interpretation. Deine Arbeiten behandeln das Zwischenmenschliche, das auch den Ursprung von Kommunikation darstellt. Die Ästhetik deiner Malereien ist bewegt und bewegend, macht Dreidimensionales zur Fläche und damit erfassbar. Gleichzeitig ist der „rote Faden“ in deiner Arbeit aber quasi ein Geflecht, ein Beziehungsgeflecht, das durchdringt und durchdrungen werden will.

Dazu meine 1. Frage:

1. Kunst ist eine Form von Kommunikation und das Zwischenmenschliche zwischen Künstler:in und Rezipient:in spielt dabei eine wesentliche Rolle. Meinst du, (deine) Kunst kann zwischenmenschliche Kommunikation erleichtern? Wenn ja, auf welche Weise?
Ein Werk besitzt die Fähigkeit Augen zu öffnen, Blickweisen zu lenken und Fragen zu stellen. Kunst kann Kommunikation hinterfragen und sie zugleich anders, auf eine eigene Weise vollziehen. Dabei ist oft eine hohe Sensibilität gefragt. Ich finde es wichtig, dass eine Arbeit nicht bis ins kleinste Detail erklärt wird. Darin steckt doch gerade der Reiz, dass sie ohne viele Worte und durch das eigene Sehen, die eigene Sichtweise aufgenommen wird. Ob ich dabei von Erleichterung sprechen würde, weiß ich nicht. Jedoch aber von Intimität und Beziehung. Ich bin der Meinung dass sowohl der/die Künstler/in als auch der/die Rezipient/in eine Verbindung zu einer Arbeit entwickeln kann. Diese Bindung ist eine Art von Auseinandersetzung und Interaktion. Das schafft Kunst.

2. Deine Kunst ist.....?
Ich beschreibe meine Arbeit als das Aufeinandertreffen von Rastlosigkeit, Raum und Zustand. Meine Kunst ist immer ein Stück Zustandsbeschreibung einer Zeit. Sie bearbeitet mich umgebende Themen, filtert Sprache und siebt Gedanken. Meine Malerei wächst aus Geschehnissen heraus, die ich in einem lebendigen Alltag erfahre. Sie ist und betrifft damit immer ein Stück aus dem Leben.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Energisch, entschieden, absolut, konzentriert, streng, beweglich, eifernd.
Ich bin getrieben von der Lust am Tun. Ich spiele mit dem Bild, dem Wort und deren Präzision. Für mich hat das eigene Arbeiten die Kraft Zustände und Begebenheiten zu glätten, herauszufordern und sichtbar zu machen. In meinem Leben fordere ich viel Ruhe und Raum für die Arbeit ein. Das ist für mich belebend.

Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall? Was bedeutet deine Kunst für dich?

Den Gang ins Atelier und damit dir Arbeit vor Ort vergleiche ich gerne mit dem Reisen. Es ist ein Raum, in dem neues geschaffen wird, ein Ort, an dem man austritt – aus Routinen, aus Mustern und Eingespieltem. Ein Ort des Geschehens von Mitgebrachtem. Dazu gehören auch persönliche Fragen und Motive. Es gibt Tage, an denen ich mich stundenlang in Stille mit meinen Malereien umgebe und arbeite. Jedes Werk wird nach einer Zeit zu einer Persönlichkeit. Ich arbeite körperlich mit ihnen. Ich empfinde die Malerei immer als einen Körper gegenüber. Wir sind somit in einem ständigen Austausch und Gespräch. Dabei finde ich es spannend auf unterschiedliche Materialien einzugehen. Ich arbeite neben der Leinwand auch viel auf Holz. In das Holz ritze ich die Zeichnungen ein. Das ist eine ganz andere Art des Zeichnens, die ich in ihrer Körperlichkeit sehr interessant finde.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage: Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?
Ich denke das habe ich bereits getan. Dieser äußere Umstand und Zustand hat sich schnell bei mir in die Arbeit eingeschlichen. Zu Beginn der Pandemie und damit im ersten Lockdown hier in Österreich, hatte ich das Glück, eine Zeit in einer Residency am Millstätter See zu verbringen. Das hat mir die Möglichkeit eröffnet, sehr intensiv und zurückgezogen an neuen Malereien zu arbeiten. Viele der Arbeiten sind nun auch hier in der ArtApart Gallery. In diesen Werken widme ich meine Aufmerksamkeit bereits sozialen Gefügen, und ihrem Verschwinden. Eine zunehmende Körperlosigkeit beschäftigt mich. Verbindungen unterliegen erschwerten Umständen, die dazu führen, dass sie weniger eingegangen werden. Zwischenräume bleiben leer, menschliche Gestalten werden unmerklich. Verschwindende Körper entziehen sich einem Umgang mit- und untereinander. All diese neuen Empfindungen, Verletzungen und Veränderungen haben Einzug in meine Arbeit erhalten. Ich denke, dass mich diese Themen auch noch weiter beschäftigen werden.

6. Welche Frage bewegt dich gerade?
Wir leben in einem stetigen Wandel. Veränderung ist der Antrieb, dass Neues geschaffen wird. Ich befinde mich in zwischenmenschlichen Beziehungen einer Gegenwart, die vermehrt körperlos und unberührt funktioniert. Ein Zeitalter, in dem die digitale Verbindung zum Kernverhältnis wird. Räume werden zu Sphären. In meinen persönlichen Fragen bleibt mein Augenmerk auf unseren Körpern und analogen Erscheinungen sowie dem zwischenmenschlichen Umgang.

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Ich habe keine Frage, eher eine Anregung an kunstinteressierte Menschen. Die Arbeit von jungen Künstlerinnen zu beobachten und kennen zu lernen, öffnet oftmals Sichtweisen und Schwerpunkte, die für andere Generationen genauso interessant, aber vielleicht noch unbekannt sind. Gerade deshalb finde ich es sehr wichtig, den Fokus auf junge Kunst nicht zu verlieren, sondern mit offenem Geist und Auge darauf zuzugehen.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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