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Interviews

7 Fragen an

Alesha Klein

Liebe Alesha,


du erschaffst Skulpturen aus Naturmaterialien in reduzierter, aber ausdrucksstarker Form und erhältst dabei den natürlichen Charakter der jeweiligen Materialien, obwohl du sie durch die Materialkombinationen und -kompositionen nicht nur ästhetisch transformierst, sondern sozusagen eine „neue Natur“ hervorbringst.

Spontan fallen mir zu deinen Arbeiten die scheinbaren Gegensätze von Natur und Kultur, von Kunst und Leben und der Bedeutung von Prozess und Produkt ein.

Bei deinen Arbeiten „Grund und Boden I“, „Was blieb“ und „Wie die steingewordenen Versuche“, mit denen du bei Art Apart vertreten bist, handelt es sich jeweils Marmorskulpturen. Den Marmor verbindest du mal mit Farbpigmenten, mal mit Metall wie Eisen und oxidiertem Eisen, also Rost, der ähnlich wie die Pigmente den hellen Marmor harmonisch farbig ergänzt. Eisen wird erst durch Oxidation rot, d.h. die Materialien aus der Natur erfahren bereits Wechselwirkungen durch die Natur und sind so einem stetigen Veränderungsprozess ausgesetzt.

Dabei wirken die von dir künstlerisch modifizierten Marmoroberflächen beinahe wie naturbelassen: der künstlerische Eingriff, i.e. die Kultur, erscheint wie ein natürlicher Teil des ursprünglichen Materials, der Natur.

Dabei entsteht eine ästhetische und praktische Verschmelzung von Kunst als menschlichem Kulturprodukt, nämlich durch die von dir ausgewählten, komponierten und durch deine Hand bearbeiteten Materialien, mit dem „Leben“ oder der „Natur“. Das „Leben“ ist symbolisiert durch den (lebendigen) Prozess der Bearbeitung des Materials durch dich, die Natur durch das Wesen des Materials selber, das nun durch deinen Einfluss erweiterte, neue Ausdrucksmöglichkeiten erhält. Die künstlerische Metamorphose der Materialien ist gleichzeitig die Geschichte des Schaffensprozesses und das Produkt davon.

Dazu meine 1. Frage:
Unsere Umgebung, unser Leben, d.h. wir selbst befinden uns im stetigen Prozess von Veränderungen, die simultan in unterschiedlichem Tempo stattfinden. Bestenfalls führt das zu „Metamorphosen“, die eine positive Wirkung zurückwerfen auf uns und unsere Umwelt, die ja für die Veränderungen auch verantwortlich ist. Bei Skulpturen denkt man eher nicht an Veränderung, sie stehen für den in Stein gemeißelten Status Quo. Doch bei deinen Arbeiten handelt es sich zum Beispiel um „steingewordene Versuche“ – das scheinbar unflexible, rigide Material bildet einen Versuchsprozess ab, der per se im Ausgang flexibel ist. Das erscheint widersprüchlich – oder als Hinweis darauf, dass auch das härtste Material veränderbar ist und sich selbst verändert, in unmerklich langsamem Tempo. Selbst scheinbar tote Materialien wie Stein und Metall verhalten sich auch wie Lebewesen, indem sie sich verändern sich als Teil der Umwelt, die sie selber bilden.

Ich empfinde natürliche Materialien wie Stein nicht als tot. In ihnen liegen Spuren, sie verweisen auf ihren Ursprungsort und das Lebendige. Man findet ja auch Fossilien in Gestein.

Mir geht es in meinen Arbeiten nicht um die Gegensätze von Kultur und Natur – also dem Menschen auf der einen und die Umwelt oder Natur auf der anderen Seite.

Ich interessiere mich vielmehr für die Wechselwirkungen zwischen beidem, die Brücken dazwischen und den Menschen als Teil der Natur.


Willst du mit deiner Kunst auch darauf hinweisen, dass nichts jemals bleibt, wie es ist? Dass Wandel unsere einzige „Konstante“ ist? Dass der „Grund und Boden“, auf dem wir wandeln und uns „verwandeln“ sich auch immer selber wandelt – mit uns oder ohne uns
Veränderung,Prozess und Vergänglichkeit sind Themen, die immer wieder in meinen Arbeiten auftauchen.

Gegensätze zu vereinen oder hervorzubringen, finde ich spannend.

Beispielsweise bei Arbeiten wie „was blieb“ oder „Grund und Boden“.

Ich verändere Marmor, indem ich ihm eine Patina gebe. Es handelt sich um ein sehr beständiges Material, aber es reagiert sehr empfindlich auf Säure. Weißwein reicht schon aus, um die Oberfläche des Marmors anzugreifen.

Ich mache mir diese Schwachstelle zunutze, indem ich Pigmente mit Hilfe von Säure in die Oberfläche des Marmors ätze. Wichtig ist mir dabei immer, trotzdem noch den unbehandelten Marmor zu zeigen und diesen nicht komplett unter der Patina zu verstecken.


2. Deine Kunst ist.....?
Ausdruck meines Schaffensdrangs und der Versuch, Gedanken, die ich nicht in Worte fassen kann, eine Form zu geben.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Ein Motto oder Mantra habe ich nicht. Mir ist es jedoch besonders wichtig, mir genügend Zeit für die einzelnen Arbeitsschritte zu lassen, um mit Ruhe und Konzentration ans Werk zu gehen.


Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?

Ich denke, dass immer etwas Persönliches in einer künstlerischen Arbeit liegt.

Das eigene Interesse spiegelt sich zwangsläufig in dem wider, was man macht. Manchmal stellt man erst im Nachhinein fest, dass eine fertiggestellte Arbeit vielleicht auch von persönlichen Fragen motiviert wurde. Mir lag es bisher jedoch nicht daran, bewusst persönliche Erfahrungen durch meine Kunstwerke zu verarbeiten oder ähnliches.

Trotzdem kehre ich zum Beispiel gerne an den Ort zurück, wo ich aufgewachsen bin. Mit diesem Ort fühle ich mich immer noch verbunden, dort kann ich wunderbar nachdenken und ich bin mir sicher, dass in einigen Arbeiten einiges von diesem Ort liegt, ohne dass ich es direkt benennen könnte.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Die Situation beeinflusst natürlich den ganzen Alltag und begrenzt Möglichkeiten, die man vor der Pandemie als selbstverständlich genommen hat. Ausstellen oder der Austausch untereinander, den man aus dem Studium gewohnt war... Vor allem das fehlt mir.

Mir tut es momentan gut, die Pandemie nicht in meiner Arbeit auszudrücken, weil ich mir damit eine Form von Normalität bewahren kann. Meine Interessen ändern sich durch die Pandemie nicht, demnach ändert sich auch nichts an den Themen in meinen Arbeiten.

Während meines Studiums habe ich auch auditive Arbeiten umgesetzt. Ich könnte mir vorstellen wieder mehr in diese Richtung zu machen, also digital zu arbeiten.


6. Welche Frage bewegt dich gerade?Alles, was mit natürlichen Pigmenten und Farbstoffen zu tun hat – das ist ein sehr weites Feld. Diese Thematik möchte ich weiterhin vertiefen.

Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Wie sind Sie auf Art Apart gestoßen und sind Sie durch diese Plattform schon in direkten Kontakt mit Künstler:innen getreten? Die interessantesten Fragen entstehen doch meist in einem persönlichen Gespräch.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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