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Interviews

7 Fragen an

Aleksandra Belic

Liebe Aleksandra,

deine Kunstform ist die Plastik, genauer gesagt erschaffst du keramische Skulpturen von Menschen oder Tieren , die oft teilweise oder vollständig farbig glasiert sind und die sowohl abstrakte als auch figurative Gestaltungsanteile aufweisen. Sie wirken dadurch gleichzeitig statisch, solide und körperhaft „materiell“ als auch bewegt, fluide und „immateriell“, quasi wie beseelte Körper, die im Begriff sind, jeden Moment ihre Position zu verändern und die lebendig werden könnten wie Galathea.

Durch deine deine Arbeitstechnik besitzen deine Skulpturen eine sehr vielfältige teils reflektierende, teils absorbierende Oberflächenstruktur, die zusätzlich durch die Art und Weise des Glasurauftrages erschaffen und besonders betont wird. Damit verleihst du deinen Arbeiten ganz unterschiedliche Facetten. Mich erinnert das an die unterschiedlichen Seiten einer „vielschichtigen“, also komplexen Persönlichkeit.

Deine Arbeiten bei Art Apart sind eher kleinformatig, so dass mir der Begriff „Kleinod“ in den Sinn kommt – eine Bezeichnung, die in der Gegenwartskunst eher selten verwendet wird, den ich aber hier passend finde. Dein Stil erinnert mich ein wenig an Thomas Schüttes „Ceramic Sketches“, ebenfalls kleinformatig, die im K 21 in Düsseldorf ausgestellt sind. Deine Arbeiten sind allerdings feiner und weniger skizzenhaft, sie wirken gerade durch die Tatsache, dass sie nicht völlig ausgeformt sind, vollständig oder sich selbst vervollständigend.

Ton, dein Arbeitsmaterial, ist ein sprichwörtliches Schöpfungsmaterial – schon in der Bibel oder den Metamorphosen von Ovid ist es das Urmaterial, das „göttliche Wesen“ verwenden, um aus scheinbar toter Materie Lebewesen zu erschaffen, die dann selbst kreativ werden und ihre Welt verändern.

Deine Arbeiten durchlaufen mehrere Prozess- oder „Entwicklungsphasen“, von der plastischen Arbeit bis zur Glasur und dem Brennvorgang, bis sie schließlich zur Keramik werden.

Auf Art Apart bist du aktuell mit vier Arbeiten vertreten, die alle im Wortsinne vielschichtig sind und gleichzeitig vielsagend und rätselhaft wirken. Sie tragen die Titel „Möwe“, „Eva“, „die Teich-Herrscherin“ und „Mr. Maserati“. Letztere Skulptur ist inspiriert von einem Song mit dem Titel Miami, ein Remix von Baxter Dury, wie die schreibst. Den habe ich mir angehört (danke für den Tipp!). Dabei habe ich mir vorgestellt, wie du mit dem Indie-Musikstück im Hintergrund laufend diese gleichzeitig lässig-lasziv und dynamisch wirkende Skulptur geformt hast (der musikalische Ton inspiriert die Form des plastischen Tons). Dein weiblicher Blick auf den sympathischen „Checkertypen“ Mr. Maserati ist freundlich-belustigt und gibt ihm Raum, seine „Persönlichkeit“ für seine Betrachter:innen (und Bewunder:innen) zu entfalten. Mitten in dieser Krisenzeit gelingt es dir, Kunst zu erschaffen, die an die Lebenslust appelliert!

1. Deine Skulpturen sind sehr expressiv, trotz oder gerade wegen der abstrakten Anteile. Sie wirken auch zeitlos in ihrer Thematik, das gilt selbst für „Mr. Maserati“, der zwar offensichtlich auf Gegenwartskultur verweist, aber auch ein Charakter aus dem frühen 20. Jahrhundert sein könnte. Entsteht dieser Eindruck von „aktueller Zeitlosigkeit“ durch die Emotionalität, die deine Arbeiten ausstrahlen, egal ob es sich nun um Darstellungen von Menschenwesen oder Tieren handelt? Diese Emotionalität lässt deine Skulpturen auch „bewegt“ erscheinen (e-motion ist ja abgeleitet von lat. e(x)-movere = herausbewegen), und Bewegung wahrzunehmen erzeugt wiederum eine innere Bewegung bei den Betracher:innen. Findet sich in deiner Kunst auch ein Appell an die Möglichkeit zur Empathie zwischen allen Lebewesen?

Hat das gewählte Format eher praktisch-pragmatische Hintergründe im Zusammenhang mit der „Produktion“ deiner Arbeiten oder sollen die kleinen Formate auch auf die Zerbrechlichkeit, die Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit der Dinge in dieser Welt hinweisen?

Ich finde, dass die Idee der erste Funke ist, der mich dazu bringt, mit dem Bau eines Werkes zu beginnen. Die Flamme, die aus meiner Arbeit entsteht, ist dann nicht mehr unter meiner Kontrolle und die Skulptur wird selbsttragend und führt ihr eigenes Leben. Unabhängig von dem Motiv, das ich darstelle, tragen sie eine Art Wahrheit in sich, die nachvollziehbar ist und darin liegt ihre Zeitlosigkeit.

Ein Appell an die Möglichkeit der Empathie zwischen allen Lebewesen ist in meinem Leben selbstverständlich und das zeigt sich in meinen Arbeiten wider.

Für bestimmte Motive habe ich das kleine Format ausgewählt, um eine Intimität zu erzeugen, die in großen Formaten verloren geht.

2. Deine Kunst ist.....?
Meine Kunst spiegelt die Ideale wider, die ich anstrebe.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:

Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?

Wie ich mit meinen Werken umgehe, so gehe ich auch mit mir selbst um. Ich zerstöre sie oft, damit ich sie nachher neu und besser aufbauen kann .

Zur 4. Frage:

Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?

Was bedeutet deine Kunst für dich?

Die männliche/weibliche Rolle in unserer Gesellschaft ist etwas, das mich beschäftigt. Ich glaube nicht an die Trennung der männlichen und weiblichen Eigenschaften im Menschen, sondern an die Dualität, die wir alle in uns tragen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Harmonie zwischen beiden herzustellen, sowohl in meinen Skulpturen als auch in meinem persönlichen Leben.

Kunst ist für mich eine bildnerische Sprache und ein Mittel der Kommunikation.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?

Das erste Pandemiejahr war eines der besten Jahre in meinem Leben. In einer solchen Krisensituation, in der alles Oberflächliche ausgefallen war, bekam ich die nötige Ruhe und den Raum, mein Leben zu hinterfragen und Entscheidungen zu treffen. Jetzt weiß ich mit absoluter Klarheit, welchen künstlerischen Weg ich gehen will und dass dies meine Priorität und Hauptziel im Leben ist.

Ich beschäftige mich in meiner Arbeit nicht mit der Pandemie. Aber ich habe eine Ausnahme, eine meiner Figuren, an der ich gerade arbeite, steht vor einem Supermarktregal, in dem alle Nudeln, außer den glutenfreien, ausverkauft sind – haha!

6. Welche Frage bewegt dich gerade?

Als Schöpfer haben Künstler eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Ich frage mich, wie ich als Künstlerin mit meiner Skulpturen mehr Schönheit und Humor in die Welt bringen kann.

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?

Ich habe keine Fragen, die Antworten zeigen sich von selbst.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.
Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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