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Ausstellungen

DIE KLASSE WULFF STELLT AUS

Aleksandra Belic, Justin de Verteuil, Jannika Frangen, Ora Katz, Lara Werth, Jakob Albert, Yvonne Fedder, Nina Hassert, Antonio Arias, Nora Zilenski, Josephine Seydler,Lucas Köllner, Emily Dauphin

Die Klasse von Prof. Katharina Wulff der Kunstakademie Düsseldorf zeigte in den zwei Räumen des Off Space in der Gerresheimer Straße 100 in Düsseldorf eine zwar kleine, aber qualitativ und künstlerisch beeindruckende Ausstellung von Malerei, Grafik und plastischen Arbeiten. Aleksandra Belic, deren Plastiken auch von der Art Apart Website bekannt sind, war mit vier Arbeiten vertreten, die im vorderen Raum des Aufstellungsortes aufgestellt waren. Die größte davon war in der hinteren Ecke der Fensterbank platziert, quasi mit Blick auf das eintretende Publikum. Sie ist aus farblich sehr auffälligem Terrazzo-Blue-Ton gestaltet und zeigt eine vor der männlichen Muse nieder kniende weibliche Figur . Nicht zufällig erinnert diese Komposition an Rodins ewiges Idol, doch hier sehen wir die berührende Szene der Liebenden aus der weiblichen Perspektive, dem Blickwinkel der Künstlerin. Während der “obektifizierende” und sexualisierende männliche Blick auf den weiblichen Körper in der Kunstwelt spätestens seit Laura Mulveys Analyse eines “male gaze” im klassischen Hollywood-Film ein vielfach diskutiertes Thema ist, findet die weibliche Perspektive erst in letzter Zeit mehr Beachtung. Aleksandra Belic findet, der männliche Blick auf weibliche Körper sei eher von Begehren geprägt, während der weibliche Blick eher die Stärke in der dargestellten Frau sehe und wiedergebe. Sie sagt von sich, ihr gefalle die Vorstellung einer männlichen Muse - sie wendet ihren weiblichen Blick nun auf den männlichen Körper und dabei entsteht eine spannungsgeladene Zärtlichkeit in der dargestellten Szene, die einmal mehr auf die nach wie vor wirkungsmächtige Sozialisierung der Geschlechter hinweist, aber ebensogut die “wahre” inhärente Gleichstellung bedeutet, wenn sich die weibliche Protagonistin bewusst dafür entscheidet, sich ihrem Gegenpart, der “männlichen Muse” hinzugeben.

Die drei weiteren plastischen Arbeiten von Aleksandra Belic bilden die “Badewannen-Serie” und zeigen Frauenfiguren bei der Körperpflege im Bad. Die Arbeiten sind auf einem niedrigen Betonsockel mit starken Abnutzungserscheinungen in Bodennähe nebeneinander angeordnet. Struktur Farbton des Sockels harmonieren perfekt mit Materialität und Oberflächengestaltung der plastischen Arbeiten. Ganz links auf dem Sockel befindet sich eine Badende, die ihr Schaumbad sehr zu genießen scheint; diese Plastik ist in einem grauen Farbton gehalten. In der Mitte daneben befindet sich eine Frauenfigur mit langem blonden Haar, die sich auf der Toilette sitzend die Beine rasiert. Das “Bad” besteht nur aus 2 Wänden und einem Fußboden, es wirkt wie eine Skizze, die in glasiertem Ton umgesetzt wurde. Es ist so winzig und so eng, dass die Frau bereits mit einem Fuß die Wand berührt. Diese “Venus im Bade” wirkt selbst in dieser unbequemen Körperhaltung noch erotisch - sie ist die Alltagsheldin, die “Frau von nebenan”, sie befindet sich auf Augenhöhe mit ihren Betrachter:innen und repräsentiert und verkörpert quasi die echte Frau, ganz ungefiltert. Die dritte Figur rechts daneben zeigt eine Frauenfigur in der Dusche - doch diese Dusche hat “Tiefgang”, denn das Wasser scheint der Duschenden bis zum Hals zu stehen, man sieht nur den Kopf, nicht den Körper.

Diese drei Skulpturen lassen die Betrachter:innen mit dem weiblichen Blick der Künstlerin auf die Frauenfiguren in intimen Alltagssituationen blicken; dieser Blick wirkt respektvoll, sehr humorvoll und durch und durch menschlich. Aleksandra Belic erschafft in ihrer Kunst ganz bewusst keine Ideale Versionen oder Idole von Weiblichkeit, ihre Heldinnen und Helden stammen mitten aus dem Leben, sind völlig ungeschönt. Der “weibliche Blick” der Künstlerin, sowohl auf weibliche als auch auf männliche Körper, ist freundlich und wohlwollend und wirkt damit wie eine versöhnende Aufhebung oder freundliche Dekonstruktion einer durch Sozialisierung bestimmte Geschlechterdualität durch ihre besondere künstlerische Perspektive und Umsetzung.

ALEKSANDRA BELIC, Frau Im Bad (2021)
Photo: Tatjana Nicholson

Die Künstlerin war in dieser Ausstellung neben den plastischen Arbeiten auch mit einer Lithographie vertreten, die weibliche Akte in den unterschiedlichsten Posen zeigt und somit thematisch die Skulpturengruppe ergänzt und medial eine “Brücke” von der Plastik zum grafischen Werk und weiter zu den malerischen Arbeiten der weiteren Künstler:innen schlägt.

Die weiteren ausstellenden Künstler:innen aus der Wulff-Klasse beschäftigen sich vor allem mit Malerei, auch eine weitere plastische Arbeit war ausgestellt. Als sehr gute Zeichnerin kooperieren sie auch ausgezeichnet, wie auf einer wandfüllenden Gemeinschaftsarbeit zu sehen ist.

Die Ausstellung der Wulff-Klasse war an insgesamt vier Abenden zu sehen, jeweils mit unterschiedlicher Hängung, und endete am 23.7. 2021. Die teilnehmenden Künstler:innen zeigten sich sehr erfreut über die hohe Besucher:innenzahl und die große Beliebtheit und Anerkennung ihrer kleinen Ausstellung.

ALEKSANDRA mit ihren Arbeiten in der Ausstellung
Photo: Tatjana Nicholson

Unter Besprechung findet ihr Ausstellungsrezensionen aller Art – sei es die Blockbuster-Ausstellung in der großen Institution, oder die im kleinen Offspace, der junge Positionen zeigen und fördern möchte. Lokale und umliegende Ausstellungen in Düsseldorf und im Rheinland werden hier gesammelt und machen Lust auf einen Besuch der hier besprochenen Shows.

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